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Interview im SWR 2 mit Prof. Hans Küng zum Hören (7 Minuten):
 

 
Globales Wirtschaftsethos - Konsequenzen für die Weltwirtschaft

Eine Gruppe von Intellektuellen und Wirtschaftsleuten um den Tübinger Theologen Hans Küng hat ethische Grundsätze für Gerechtigkeit in der Wirtschaft formuliert. Es gehe um Werte, die alle Menschen weltweit anerkennen könnten, sagte Küng. Die »Erklärung zu einem Globalen Wirtschaftsethos« wurde am 6. Oktober 2009 bei einem Symposium im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York vorgestellt. »Damit wird die Weltethoserklärung des Parlaments der Weltreligionen von Chicago 1993 in die Welt der Wirtschaft übersetzt«, sagte der Tübinger Professor.  
»Die Erklärung nimmt die Gesetzlichkeiten von Markt und Wettbewerb ernst, will sie aber zum Wohl aller auf eine ethische Grundlage stellen.« Das lange geplante Projekt habe in den vergangenen Monaten eine ungeahnte Relevanz bekommen. »Gerade die Erfahrungen in der Wirtschaftskrise unterstreichen die Notwendigkeit international akzeptierter ethischer Prinzipien und moralischer Standards für den Geschäftsalltag«, sagte Küng.
 
Jetzt zeige sich besonders deutlich, dass die Globalisierung nur dann zu Wohlstand führe, wenn sich alle Menschen grundsätzlich aufeinander verlassen könnten. Zwar dürfe jeder Mensch seine wirtschaftlichen Eigeninteressen verfolgen – allerdings müsse es ethische Rahmenbedingungen geben, die allgemein als gerecht akzeptiert würden. »Die Vorstellungen von Recht, Gerechtigkeit und Fairness bauen auf moralischen Prinzipien und Werten auf, die seit alters her von allen Kulturen geteilt werden«, sagte der 81-Jährige.
 
Genau wie die Weltethos-Erklärung vor 16 Jahren könne die
Wirtschaftsethoserklärung deshalb »von allen Menschen mit ethischen Überzeugen, religiös begründet oder nicht, mitgetragen werden«. Die Verantwortung für die Umsetzung des Wirtschaftsethos liege allerdings bei jedem Unternehmer, Investor, Kreditgeber, Mitarbeiter und Konsumenten selbst.
 
Küng gilt als geistiger Vater der Weltethos-Erklärung, die 1993 von
Vertretern aller wichtigen Religionen und von zahlreichen Philosophen unterzeichnet wurde. Sie sollte für alle Menschen einen Grundkonsens über Werte, unverrückbare Maßstäbe und persönliche Grundhaltungen festschreiben.
 
Das Symposium wurde gemeinsam veranstaltet von der Stiftung Weltethos, dem UN Global Compact, der Novartis Stiftung und der Schweizer UN-Botschaft.


 
© Stiftung Weltethos Tübingen

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